Erarbeitung eines Klimaschutz-/Energie(Spar)konzepts
Klimaschutz-/Energiesparkonzept beschlossen
Der Markt Schierling ist auf diesem Gebiet bereits weiter als viele andere Gemeinden
SCHIERLING, 12.06.2013. Mehrheitlich beschloss der Marktgemeinderat das Klimaschutz-Energiesparkonzept „Schierling: Vorsprung mit Klima“, das im Laufe des letzten Jahres erarbeitet und vom Bundesumweltministerium mit 65 Prozent bezuschusst wurde. Bürgermeister Christian Kiendl legte eine Bilanz der schon im Jahre 1984 begonnenen Klimaschutzmaßnahmen vor und stellte fest, dass der Markt Schierling im Vergleich zu anderen Gemeinden bereits sehr weit sei. Die intensive Diskussion der letzten Monate habe gezeigt, dass das Energiesparen mindestens genauso wichtig ist wie die alternative Erzeugung von Energie.
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| Im Rahmen der Erarbeitung des Klimaschutz-/Energiesparkonzeptes war der Jugendtag ein herausragendes Ereignis, denn gerade die jungen Leuten sollen für den Klimaschutz besonders sensibilisiert werden |
„Diejenige Energie, die erst gar nicht verbraucht wird, muss auch nicht erzeugt werden“, sagte Kiendl. Deshalb sprach er sich für die Einstellung eines Klimaschutzmanagers aus, der über drei Jahre hinweg konsequent dafür sorgt, dass das Konzept umgesetzt und die Bürger offensiv und intensiv beraten werden. „Das Klimaschutzkonzept darf kein Papiertiger werden!“, so der Bürgermeister.
Während der Zeit der Erarbeitung des Konzeptes sei klar geworden, dass der Markt Schierling schon sehr viel getan hat und sehr weit ist. Genauso klar sei klar geworden, dass das Konzept keine revolutionären Erkenntnisse und Ausblicke bringen könne. Denn die Möglichkeiten seien begrenzt. Die Herausforderung läge für Kommunen und Bürgerschaft im Detail. Kiendl befürchtete, dass der Gedanke des Energiesparens noch nicht allzu tief in das Bewusstsein der Bevölkerung eingedrungen sei. Für den Markt Schierling stelle sich aufgrund des vorliegenden Konzepts – flankierend zu den Zielen und Maßnahmen des Staates - eine zweifache Herausforderung: „Wir müssen Tag für Tag beharrlich dafür Bewusstsein schaffen, dass das Energiesparen eine existenzielle Frage ist und wir müssen immer auch Vorbild sein und zeigen wie es geht!“, so der Bürgermeister. Da gebe es sicher viel zu tun. Tröstlich sei, dass erst jüngst ein für den Landkreis tätiger Energiefachmann bestätigt habe, dass keine andere Gemeinde im Landkreis Regensburg weiter sei als der Markt Schierling.
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| Klimaschutz - ein Thema für die ganze Familie |
Das belegte der Bürgermeister mit einer Fülle von Einzelmaßnahmen, die von der Umrüstung von 1.109 Straßenlampen auf energiesparende Leuchtmittel mit einer jährlichen Ersparnis von 47.000 Kilowattstunden bis zur energetischen Sanierung des Kindergartens St. Michael und stromsparenden Umwälzpumpen – Hocheffizienzpumpen Klasse A – reichten. Die größte Energieeinsparung wurde durch den Neubau der Kläranlage erzielt mit einer jährlichen Ersparnis von über 400000 Kilowattstunden. Im Bereich der alternativen Energieerzeugung nannte Kiendl Solar- und Photovoltaikanlagen in einem Ausmaß, das den Markt Schierling seit Jahren auf Platz 1 im Landkreis auf der Internetplattform „Solarbundesliga“ sieht. Es seien Biogasanlagen entstanden – von denen allein die Schierlinger Anlage jährlich 3,2 Millionen Kilowattstunden erzeugt -, Bürgersolarkraftwerke angeboten worden und der Marktgemeinderat habe sich entschieden, dass auf bis zu 50 Hektar Gemeindegebiet PV-Anlagen gebaut werden dürfen. Im gemeindlichen Wohnhaus arbeitet Kraft-Wärme-Kopplung, der Bauhof habe eine Hackschnitzelheizung erhalten, die ausschließlich mit dem bei der gemeindlichen Gärtnerei anfallenden Schnittgut befeuert wird und schließlich wurde schon Ende 2006 für die Placidus-Heinrich-Volksschule das „Contracting“ eingeführt. Der Jugendtag zum Klimaschutz-Bewusstsein sei nach Kiendl nach wie vor einmalig und auch die Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema.
Kiendl warb sehr für die Einstellung eines Klimaschutzmanagers, denn der Zensus 2011 habe ergeben, dass rund 55 Prozent der Wohngebäude zwischen 1949 und 1986 gebaut wurden. „Da gibt es erheblichen Sanierungsbedarf bei den Heizungen“, so Kiendl. Dieser könne am besten durch eine Beratung und Förderung befriedigt werden, die sehr nah angesiedelt sei. Der Bund bezahle von den Lohnkosten 65 Prozent, so dass er die Gesamtkosten für den Markt für drei Jahre auf 75.000 Euro bezifferte. Die gesamte politische Bewertung des Bürgermeisters ist hier nachzulesen:
Bewertung von Bgm. Christian Kiendl (PDF 0,11 MB).
Auf die Frage von Andreas Schmalhofer nach den Chancen für die Windkraft erklärte der Bürgermeister, dass es derzeit keine konkreten Anfragen gebe und auch nicht sicher sei, ob der Wind in Schierling ausreiche. Elfriede Treppesch meinte, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung da sei und sie lehnte deshalb den Klimschutzmanager ab. „Wir haben kein Geld für solche Sachen“, sagte sie. Maria Feigl dagegen verwies darauf, dass sich die Gemeinde schon immer bemühe Energie zu sparen und sie dürfe jetzt nicht stehenbleiben, sondern müsse weiterhin Schritt für Schritt vorangehen. Dr. Josef Kindler unterstützte sie mit dem Satz: „Wir wollen den Leuten sparen helfen, und deshalb bin ich dafür!“. Gegen die Stimmen von Elfriede Treppesch und Konrad Beck von den Freien Wählern wurden Konzept und Klimaschutzmanager beschlossen.
Klimaschutzkonzept für den Markt Schierling
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| Das Armband zum Jugendtag |
Gliederung. Das Konzept beinhaltet die Energie- und CO2-Bilanzen, die Potentialabschätzungen, die Minderungsziele, die Maßnahmenkataloge und Zeitpläne zur Minderung von Treibhausgaseemissionen, die Beteiligung der relevangten Akteure und das Aufzeigen eines signifikanten Einsparpotentials. Das gesamte Konzept im Wortlaut wird zeitnah im Internet veröffentlicht.
Fachleute. Fachlich wurde das Konzept von dem in Schierling ansässigen Institut für Umwelt und Boden des Dipl.-Ingenieurs Dieter Hantke, unter Federführung der Dipl.-Geografin Ulrike Hofmann erarbeitet.
Energierat. Aus der Bürgerschaft war während des Prozesses eine Steuerungsgruppe zur Unterstützung gebildet worden. Dieses Gremium bleibt als „Energierat“ bestehen.
Verbrauch. Der gesamte Energieverbrauch von Wirtschaft, Privathaushalten und Kommune betrug im Jahre 2011 gut 127 Millionen Kilowattstunden, was einem CO2-Ausstoß von knapp 64.000 Tonnen gleichkommt.
Maßnahmen. Das Konzept sieht 34 Maßnahmen vor. „Es gibt genügend Potenzial zum Energiesparen, unser Konzept ist dynamisch und wir bauen darauf, dass wir in diesem Bereich Zug um Zug besser werden“, so die Zielsetzung des Bürgermeisters für die nächsten Jahre. Allein für die Umstellung der restlichen Straßenlampen auf LED sind im Gemeindehaushalt 100.000 Euro vorgesehen. Die Kurzfassung der vorgeschlagenen Maßnahmen ist hier nachzulesen:
Kurzfassung der Maßnahmen (PDF 0,4 MB).
Text und Fotos: Fritz Wallner


