Aumeier betreibt Bio-Biogasanlage
Steuerungsgruppe für Klimaschutz-/Energiesparkonzept besichtigte die Anlage
SCHIERLING, 17.06.2012. Christian Aumeier betreibt seit Oktober letzten Jahres eine Biogasanlage und ist doch ein klassischer Bio-Bauer geblieben. Denn er füttert seine Anlage zu gut zwei Drittel mit Kleegras, mit dem er die Anforderungen an den biologischen Landbau einhält. Es handelt sich dabei um ein ohnehin vorhandenes – und von den meisten Biobauern meist ungenutztes und am Feld verrottendes - Potenzial aus der von ihm selbst bewirtschafteten rund 200 Hektar großen Fläche. Außerdem liefern ihm rund zehn weitere Bio-Landwirte solches Material. Das alles ließ auch die Fachleute in der Steuerungsgruppe für das Schierlinger Klimaschutz-/Energiesparkonzept bei der Besichtigung der Anlage staunen.
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| Die Steuerungsgruppe für das Schierlinger Klimaschutz-/Energiesparkonzept besichtigte die „Bio-Biogasanlage“ der Bio-Bauern-Familie Aumeier |
Bürgermeister Christian Kiendl betonte, dass der Einsatz von Biomasse bei der Bewältigung der Energiewende eine wichtige Rolle spielt und er bescheinigte den Junglandwirten Christian und Carolin Aumeier, dass sie ein hohes unternehmerisches Risiko auf sich genommen haben. Im Bereich des Marktes Schierling gibt es nach Kiendl eine weitere privilegierte Biogasanlage, und zwar von Landwirt Josef Pienld in Unterdeggenbach. Christian Aumeier - selbst Mitglied der Steuerungsgruppe – betonte, dass er eigentlich auf den Bau der großen Biogasanlage für Schierling gehofft hatte. Nachdem daraus nichts wurde, habe sich die Familie entschlossen, selbst anzupacken. Das Genehmigungsverfahren sei ein „Riesenakt“ gewesen, doch mit Unterstützung der Gemeinde erfolgreich abgeschlossen worden. „Wir haben am 16. Oktober mit der Stromproduktion begonnen!“, so Aumeier. Auch Gärreste seien bereits auf die Felder gefahren worden. Weil zu über 70 Prozent Bio-Material in den Fermenter komme, sei auch das nach der Gasentnahme vorhandene Material wieder nach Bio-Anforderungen verwertbar.
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| Christian und Carolin Aumeier |
Die Produktionsweise im landwirtschaftlichen Betrieb sei so geblieben wie vor einhundert Jahren, ergänzte sein Vater Josef. Auch damals sei ein Teil der Ernte für die Energie verwendet worden, nämlich für das Füttern der Pferde, die für die Feldbearbeitung eingespannt wurden. Heute würde aus diesem Teil der Ernte in der Biogasanlage Strom gemacht. Denn nach wie vor würden auf 75 Prozent ihrer Flächen Weizen, Getreide und Zuckerrüben angebaut und – nur - auf rund 25 Prozent das „Futter“ für die Biogasanlage. Dabei handle es sich um Kleegras, das als Hauptfrucht angebaut wird und bisher ausschließlich den Nutzen als Stickstoffsammler hatte. Weil der Klee bei anderen Bio-Bauern nicht energetisch genutzt werde, hole er diesen jetzt für seine Anlage und die Bauern erhalten als Gegenleistung den Gärrest als wertvollen Dünger zurück. „Das geht allerdings nur, solange dieses Material nicht viel kostet“, ergänzte Aumeier. Denn der Klee sei viel schwieriger zu verarbeiten als Mais und die Ernte des Klees sei viel teurer als die von Mais. Während nämlich der Landwirt den Mais einmal im Jahr häckselt, muss er dies bei Klee und Wiesen bis zu fünfmal machen und außerdem pro Schnitt noch drei weitere Arbeitsgänge erforderlich sind, nämlich mähen, zetten und schwaden. Der Bürgermeister bescheinigte an dieser Stelle den Landwirten, dass sie beim Umgang mit ihren Flächen großes Verantwortungsbewusstsein zeigen. Weil die Felder ihr Kapital seien, würden sie sehr sorgsam damit umgehen. Manche Kritiker seien nach Kiendl über diese Tatsache in der Vergangenheit „locker drüber gegangen“.
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| Schema der Anlage |
Die Sicherheit spielte bei den Gesprächen mit Aumeier eine große Rolle. Diplom-Ingenieur Dieter Hantke machte deutlich, dass der Boden der Fahr-Silo-Anlage und der großen Behälter mit säurebeständigen Mineralstoffen hergestellt ist, so dass nichts in den Boden gelangen kann. Auch im Außenbereich sei alles abgedichtet, ergänzte Aumeier. Regine Grillitsch fragte, ob nicht durch die Wärme den Bakterien zur rasanten Vermehrung verholfen wird, die Botulismus erzeugen können. Dr. Tobias Kindler hielt dies bei dieser Anlage für unmöglich. Entscheidend sei, mit welchem Material die Anlage befüttert wird. „Wo soll bei Klee Botulismus herkommen?“, fragte er. Sehr schnell wurde klar, dass nicht jede Biogasanlage mit einer anderen vergleichbar ist. „Wir würden nie Hühnerkot oder Gülle verwenden und wir dürften das als Biobauern auch nicht“, versicherte Christian Aumeier. Ganz im Gegenteil: Er strebe an, dass der Anteil an biologischem Kleegras von derzeit 65 Prozent auf 80 bis 90 Prozent gesteigert wird.
Aumeier machte außerdem deutlich, dass er die Anlage selbst sehr schonend betreibt. „Wir reizen nichts aus!“, so seine Devise. Die Anlage selbst stellte sich den Mitgliedern der Steuerungsgruppe als Hightech-Betrieb dar. Täglich werden rund 23 Tonnen Biomasse verarbeitet, daraus im Blockheizkraftwerk exakt 9600 Kilowattstunden Strom erzeugt. Mit der dabei entstehenden Abwärme beheizt Aumeier derzeit drei Häuser in der Umgebung und er trocknet auf Lohnbasis tonnenweise angelieferte Hackschnitzel. „Ein Landwirt ist heute Spezialist in allen Fragen“, resümierte Bürgermeister Kiendl aufgrund des knapp zweistündigen eindrucksvollen Erlebnisses.
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| Mit der im Blockheizkraft – ganz nebenbei – entstehenden Wärme werden tonnenweise Hackschnitzel getrocknet |



