Startseite Archiv 2006

Bürgerversammlung für die Gemeindeteile Zaitzkofen und Pinkofen

Schierling, 21.05.2006. Innerhalb von zwei Jahren soll die so genannte Ostschiene der Abwasserbeseitigung des Markt Schierling fertig gestellt werden. Die Gemeindeteile Inkofen, Pinkofen und Zaitzkofen werden dann eine komplette Kanalisation haben, wobei das Oberflächenwasser in die Vorfluter eingeleitet und das Schmutzwasser zur Kläranlage nach Schierling gepumpt wird. Aufgrund verbesserter Gewerbesteuereinnahmen kann die geplante Baumaßnahme etwas früher als geplant in Angriff genommen werden. Sorgen bereitet Bürgermeister Otto Gascher der Rückgang der Geburten sowie die sinkenden Einwohnerzahlen. Für das Fest der Freiwilligen Feuerwehr Zaitzkofen versprach der Bürgermeister, dass sich der gesamte Ort in einem „baustellenfreien Zustand” präsentieren wird.

Spatenstich für die Wohnanlage
Die geplanten Baumaßnahmen zur Abwasserbeseitigung der Gemeindeteile Pinkofen und Zaitzkofen erläuterte Ing. Christian Geusch per Folien und Tageslichtprojektor den Bürgerinnen und Bürgern im Saal des Gasthauses Prückl

Im Saal des Gasthauses Prückl in Zaitzkofen konnte Bürgermeister Otto Gascher am vergangenen Freitag 68 Bürgerinnen und Bürger aus den Gemeindeteilen Pinkofen und Zaitzkofen zur gemeinsamen Bürgersammlung begrüßen, deren Hauptthema die Kanalisation der beiden Orte war. Dazu begrüßte er auch Ing. Christian Geusch sowie Techniker Hastreiter vom ausführen Ingenieurbüro, viele Mitarbeiter aus dem Rathaus und eine große Anzahl von Marktgemeinderäten. Zu Beginn der Versammlung gab der Bürgermeister bekannt, dass die Präsidentin des deutsch-französischen Partnerschaftsvereins Gabriele von Seydewitz in der Nacht zum Freitag während eines Kuraufenthaltes überraschend verstorben ist. Er bat die Besucher der Bürgerversammlung, sich zum Gedenken von den Sitzen zu erheben und erinnerte daran, dass die Verstorbene mit großen Engagement von Beginn an für die Gemeindepartnerschaft zwischen dem bretonischen Penmarc’h und dem Markt Schierling gearbeitet hat.

Zu Beginn des allgemeinen Teils der Versammlung meinte Bürgermeister Otto Gascher, dass bei den Einwohnerzahlen ein Rückgang zu verzeichnen sei. Besonders das Einbrechen der Geburten mache ihm große Sorgen. Gab es im Jahr 2003 noch 71 Geburten für den Bereich des Marktes Schierling zu vermelden, so waren es im Jahr 2004 noch 55 und im vergangenen Jahr 56 Geburten. Im Schulsprengel Eggmühl wurden 16 Kinder geboren; im Schulsprengel Schierling 40 Kinder. Für das laufende Jahr ist ein weiterer Rückgang der Geburtenzahlen zu befürchten, denn bis Ende Mai wurden nur 22 Geburten beurkundet. Die Zahl der Sterbefälle lag im vergangenen Jahr 2005 bei 81 Personen und bei 331 Wegzügen gab es nur 315 Neuanmeldungen in Schierling. Die niedrigen Geburtenzahlen werden natürlich auch Auswirkungen auf die Grund- und Hauptschule in Eggmühl und Schierling haben. Es müssen in nächster Zeit Gespräche geführt werden, wie man die Dr.-Rudolf-Hell-Schule in Eggmühl als Grundschule erhalten kann, weil in diesem Schulbereich heuer erst fünf Kinder geboren wurden. Möglicherweise werden wohl Grundschüler aus Schierling mit dem Schulbus nach Eggmühl gefahren werden.

Am 1. April hat man Pfarrer Hans Bock auf einstimmigen Beschluss des Marktgemeinderates zum Ehrenbürger Schierlings ernannt und so sein soziales Engagement und die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde gewürdigt. Nach den Worten von Bürgermeister Otto Gascher geht man in Schierling mit dem Ehrenbürgerrecht sehr zurückhaltend um; bisher waren Schulleiter Georg Rötzer sowie der Gemeindechronist Johann Strasser mit dieser Auszeichnung bedacht worden. In diesem Zusammenhang dankte der Erste Bürgermeister allen ehrenamtlich Tätigen in der Gemeinde für ihre unentgeltliche Arbeit. Er wies darauf hin, dass es im Marktbereich mehr als 100 Vereine und Abteilungen für die Bürgerinnen und Bürger gibt, in denen Frauen und Männer ohne Bezahlung und oft ohne Dank für andere Menschen arbeiten und da sind. Der schwere und lange Winter habe wegen der unzureichenden Fahrzeugausstattung des gemeindlichen Bauhofes zu Problemen in einigen Gemeindeteilen beim Schneeräumen geführt. Derzeit werde ein neues Konzept in der Bauabteilung erarbeitet, um diese Mängel im nächsten Winter abzustellen.

Im finanziellen Teil seines Rechenschaftsberichtes ging Bürgermeister Otto Gascher auf den Haushaltsplan des Marktes Schierling ein, der mit 14.734.350 EURO rund eine Million unter dem des Vorjahres liegt. Aufgrund der sehr guten Steuereinnahmen steht der Markt Schierling an dritter Stelle bei der Finanzkraft im Landkreis Regensburg und erhält auch in diesem Jahr keine Schlüsselzuweisung mehr. Aufgrund der ausgezeichneten Steuerkraft muss auch sehr viel Geld an den Landkreis Regensburg in Form der Kreisumlage gezahlt werden und auch die Solidarumlage für den Aufbau der neuen Bundesländer verschlingt eine große Summe (403.056 EURO für das Jahr 2006). Die Schulden des Marktes Schierling lagen zu Beginn dieses Jahres bei 7.923.599 EURO, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.063,57 EURO entspricht. Große Ausgaben hat der Markt Schierling für die Energie- und Kraftstoffkosten aufzubringen und im kommenden Jahr kommt die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozent, die auch die Gemeinde Schierling zu zahlen hat.

Bei den Einnahmen bleiben die Grundsteuer sowie die Einkommensteuerbeteiligung in gleicher Höhe wie in den Vorjahren. Die Gebühren für Wasser und Abwasser wurden nicht erhöht, obwohl eine Unterdeckung zu verzeichnen ist. Man wird wohl im kommenden Jahr die Gebühren neu berechnen müssen. Erfreulich ist die Entwicklung bei der Gewerbesteuer, deren Haushaltsansatz der Marktgemeinderat aufgrund der guten Ergebnisse der Vorjahre auf 2,9 Mio. EURO angehoben hat. Wegen einer nicht erwarteten Gewerbesteuernachzahlung wird man heuer aber mit mehr als vier Million EURO rechnen können und deshalb könne auch mit dem Bau der Kanalisation in den östlichen Gemeindeteilen Inkofen, Pinkofen und Zaitzkofen begonnen werden.

Startschuss für den ersten Bauabschnitt soll im September dieses Jahres sein und es wird wohl in Pinkofen mit den Arbeiten begonnen werden. Die Kosten belaufen sich nach den Berechnungen des Ing.-Büros auf insgesamt 4,56 Mio. EURO, wovon 1,61 Mio. EURO auf den Gemeindeteil Inkofen, 1,23 Mio. EURO auf Pinkofen und 1,72 Mio. EURO auf Zaitzkofen entfallen. Nach den Worten des Bürgermeisters wird mit einem Zuschuss von rund einem Drittel der Kosten durch den Freistaat Bayern gerechnet, aber auch die Bürger müssen zur Kasse gebeten werden. Es werden 2,61 EURO pro Quadratmeter Grundstücksfläche und 12,78 EURO je Quadratmeter Geschoßfläche zu für die Abwasserbeseitigung zu zahlen sein. Auch der Beitrag für den Neubau der Kläranlage wird mit dem Baubeginn der Kanalisation zu Zahlung fällig und der beträgt 0,15 EURO für die Grundstücksfläche und 2,20 EURO für die Geschoßfläche. Anhand von drei Beispielen erläuterte Bürgermeister Otto Gascher die finanziellen Belastungen der Hauseigentümer. Obwohl der Herstellungsbeitrag eigentlich in einem Betrag zur Zahlung fällig wäre, habe der Marktgemeinderat vor einigen Jahren beschlossen, dass alle Pflichtigen ihren Anteil in drei Raten bezahlen können.

Nach einer kurzen Pause übergab der Bürgermeister das Wort dann an Ing. Christian Geusch, der mit einem Tageslichtprojektor die einzelnen Pläne für die Baumaßnahmen in Pinkofen und Zaitzkofen erläuterte. Wie jetzt allgemein üblich, wird ein Trennkanalsystem gebaut, das heißt, für das Schmutzwasser wird es einen neuen Freispiegelkanal geben und dieses dann per Druckleitung nach Schierling gepumpt. Das Niederschlagswasser wird in den bisherigen Oberflächenkanälen in die Vorfluter, sprich in die Bäche abgeleitet. Jedes Grundstück erhält einen eigenen Kanalanschluss, der bis zu einem Meter in das Anwesen verlegt wird. Die Hausanschlussleitung und der zwingend notwendige Kontrollschacht ist Sache des Eigentümers selbst. Ing. Geusch sagte, dass man bei den Bauarbeiten auf die Verhältnisse des Einzelfalles bei den Hausanschlüssen eingehen werde und jeder Hausbesitzer sich frühzeitig informieren sollte und sich mit der Baufirma in Verbindung setzen sollte. Der Schmutzwasserkanal wird in einer Tiefe ab 2,10 Metern verlegt, was zur Folge hat, dass nicht alle Hauskeller entwässert werden können; dies ist nach der Satzung des Marktes Schierling auch nicht vorgesehen. Der Ingenieur riet allen Hausbesitzern dringend, in die Anschlussleitung des Schmutzwasserkanals ein Rückstauventil einzubauen, denn diese relativ geringen Kosten bewahren im Falle eines Falles vor erheblichen Problemen.

Größere Schwierigkeiten werden weder in Pinkofen noch in Zaitzkofen bei den Kanalbaumaßnahmen erwartet. Allerdings wird es während der Bauarbeiten immer wieder zu Verkehrsbehinderungen kommen. Aber nach den Erfahrungen in den übrigen Gemeindeteilen des Marktes hat man immer wieder einen Ausweg gefunden und selbst schwierigste Situationen gemeistert. Wichtig sei, dass die betroffenen Hausbesitzer sich frühzeitig mit der Baufirma besprechen, um die Zufahrt zu ermöglichen. Im Gemeindeteil Inkofen muss der Erlbach untertunnelt werden, was zu einer tieferen Absenkung der Kanalleitung führt. In Zaitzkofen ist der Verkehr auf der Kreisstraße aufrecht zu erhalten. Zudem gibt es in einer sehr engen Straße die Schwierigkeit, dass die Kanalsohle in einer Tiefe von 3,80 Metern verläuft und deshalb die Fundamente der anliegenden Gebäude unterfangen werden müssen. Nicht nur aus diesem Grund, wird der Markt Schierling vor Beginn der Baumaßnahmen ein Beweissicherungsverfahren vorschalten, in dem alle Gebäudeschäden vor der Kanalisation dokumentiert werden.

In der anschließenden Diskussion und Aussprache gab es viele Fragen von Grundstücksbesitzern zu beantworten, wobei man sich auf Themen beschränkte, die von allgemeinem Interesse waren. Zerstreuen konnte Ing. Christian Geusch die Bedenken von Bürgern wegen der Lärmbelästigung durch die Pumpwerke. Zum einen werden diese Bauten sehr weit von der Wohnbebauung weg stehen und zum anderen gibt es spezielle Lärmdämmungen in diesen Anlagen. Erster Bürgermeister Otto Gascher meinte, dass es bei einer solch großen Baumaßnahme immer wieder kleinere Schwierigkeiten geben werde. Er bat aber, sich im Einzelfall rechtzeitig mit der Bauabteilung des Marktes Schierling, der Baufirma und dem Ingenieurbüro in Verbindung setzen, denn dann können schon im Vorfeld viele Dinge abgeklärt werden. Er bedankte sich bei den Bürgerinnen und Bürgern für die rege Teilnahme und Diskussion und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der östliche Teil des Marktes Schierling bis Ende des Jahres 2008 an die neue Kläranlage in Schierling angeschlossen sei. Und auf Nachfrage versicherte Otto Gascher, dass sich Zaitzkofen im kommenden Jahr zum Fest der Freiwilligen Feuerwehr ohne Baustelle präsentieren werde, denn es sei ihm wichtig, dass er als Erster Bürgermeister im Festzug den Ehrengästen einen schmucken und sauberen Gemeindeteil des Marktes Schierling präsentieren kann. Er war sich sicher, dass auch die Hausbesitzer in Zaitzkofen so denken und ihre Anwesen dem Anlass entsprechend herausputzen.

 
Text und Foto: Adolf Wallner